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Mariapolis Lia – eine Siedlung geht neue Wege mit erneuerbaren Energien

Eine Siedlung in Argentinien möchte sich Schritt für Schritt in eine „Eco-City“ verwandeln und verstärkt auf Erneuerbare Energien setzen. NEW Engineering hat die Siedlung während des Projekts PRESET besucht und seine Unterstützung bei der Planung und Umsetzung konkreter Schritte angeboten.

Im Mai 2016 war Christoph für ein Monat Vor-Ort um eine umfangreiche Bestandsaufnahme durchzuführen. Vor allem das historisch gewachsene elektrische Netz der Siedlung wurde detailliert aufgenommen und virtuell nachmodelliert.

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Simulation des internen elektrischen Netzes der Mariapolis Lia

Mit Hilfe der Simulation konnten bereits während der Aufnahme einige leicht zu behebende Schwachstellen ermittelt werden (zu hohe Blindlast durch defekte Kondensatoren) und andere langfristige Optimierungspotentiale aufgezeigt werden (Bildung zusätzlicher Netzknoten für geringere ohm´sche Verluste, Reduzierung der Schieflast zwischen den einzelnen Phasen).

Das digitale Modell des Netzes dient auch um zu untersuchen, wie erneuerbare Energien in das Netz integriert werden können. Überprüft werden Photovoltaik, Windenergie und Biogas. Der gesamte Bericht wird in Zusammenarbeit mit der Ostbayrischen Technischen Hochschule Regensburg als Masterarbeit verfasst.

Nach den ersten Untersuchungen wurde schnell klar, dass eine Photovoltaikanlage zur Abdeckung der Grundlast ein erster richtiger Schritt in Richtung Netzstabilität und Eco-City ist. Die Anlage sollte parallel zum Netz gebaut werden. So, dass der erzeugte Strom direkt in der Siedlung verwendet wird und nicht in das öffentliche Netz abfließt.

Die NEW Engineering GmbH wurde daher zusätzlich damit beauftragt die Planung und Ausschreibung einer Photovoltaikanlage durchzuführen.

Durch verschiedene Messungen und Auswertung der Stromrechnungen konnte die Grundlast der Siedlung welche insgesamt nur an 2 Stellen ans öffentliche Stromnetz angeschlossen ist ermittelt werden. Die technische Planung wurde in kurzer Zeit abgeschlossen. Das Ergebnis war eine Anlage mit einer Leistung von 24 kWp.

Da es in Argentinien bisher weder gesetzliche noch technische Regeln für das Verwenden von Photovoltaikanlagen im festen Verbund mit dem Netz gibt, wurden Gespräche mit der lokalen Versorgungskooperative geführt. Die Versorgungsbetriebe sehen viele Chancen im Einstieg in das für Argentinien neue Thema der „Erneuerbaren Energien“ und sind daher an Pilotprojekten sehr interessiert.

Im September wurden dann die funktionalen Ausschreibungsunterlagen an 8 argentinische Firmen versandt. Die meisten Firmen waren überrascht eine Anfrage für eine netzgekoppelte Anlage zu bekommen, da bis dato vor allem Inselanlagen gebaut werden. Ende Oktober waren 4 Angebote eingegangen. Nach einer weiteren Woche Vor-Ort hatten wir alle weiteren Kosten abgeschätzt und unsere bisherige Arbeit sowie die Auswertung der Angebote den Verantwortlichen der Siedlung vorgestellt. Somit war ein belastbarer Wert für die Gesamtkosten gefunden und – auch mit Blick auf die errechnete Wirtschaftlichkeit –  hat die Siedlung entschieden, die Anlage realisieren zu wollen.

Jetzt warten wir bis die Siedlung die Finanzierung gesichert hat, dann freuen wir uns auch die Umsetzung begleiten zu dürfen. Wir wollen es uns dann nicht nehmen lassen beim Bau unserer ersten Anlage in Argentinien auch selbst Hand-anzulegen. Nebenbei, wäre es für Argentinien eine der ersten netzgekoppelten Photovoltaikanlagen in dieser Größenordnung.